Klangvolle Brücken – Orgel und Männerchor vereint

Mit dem Abschlusskonzert am 20. September 2026 gingen die Harener Orgeltage in der St.-Martinus-Kirche in Haren zu Ende. Unter dem Motto „Klangvolle Brücken – Orgel und Männerchor vereint“ gestalteten Organist Udo Honnigfort und der Männergesangsverein Concordia unter der Leitung von Georg Kühn ein abwechslungsreiches Konzert.

Ein Schwerpunkt des Programms war die „Messe brève“ für Männerchor und Orgel von Charles Gounod (1818–1893). Charles Gounod (1818–1893) war ein bedeutender französischer Komponist des 19. Jahrhunderts. Seine Musik zeichnet sich durch melodischen Reichtum, klare Formen und eine ausdrucksvolle, eher romantische Klangsprache aus. Diese Eigenschaften kommen auch in seiner „Messe brève“ zur Geltung, in der die Gesangsstimmen und die Orgel zu einem getragenen und zugleich farbenreichen Klangbild verbunden werden. Die fünf Messteile Kyrie – Gloria – Sanctus – Benedictus - Agnus Dei - wurden vom Chor und dem Organisten souverän und mit großer musikalischer Geschlossenheit vorgetragen. Dabei entstand ein ausgewogenes Zusammenspiel zwischen den Männerstimmen und dem Klang der Orgel. Besonders geschickt war die Registrierung Honnigforts. Trotz der neobarocken Intonation der Orgel gelang es ihm, einen leicht romantisch gefärbten Klang zu erzeugen, der der Musik Gounods sehr entgegenkam. Die unterschiedlichen Klangfarben der Orgel unterstützten dabei wirkungsvoll die Atmosphäre der einzelnen Messteile.

Als Solist stellte Honnigfort außerdem Werke von Johann Sebastian Bach, Jehan Alain und Léon Boëllmann vor.

Zu Beginn des Konzerts erklang Johann Sebastian Bachs Concerto a-Moll BWV 593. Das Werk ist Bachs Bearbeitung eines Konzerts von Antonio Vivaldi und überträgt die ursprünglich für Streicher gedachte Musik auf die Orgel. Deutlich zu spüren war dabei der konzertante Charakter des Werkes. Kraftvolle Tutti-Abschnitte wechseln mit ruhigeren, solistisch geprägten Passagen, wodurch ein spannungsreicher musikalischer Dialog entstand. Die lebhaften rhythmischen Strukturen und die virtuosen Läufe stellen hohe Anforderungen an den Organisten. Honnigfort gestaltete die unterschiedlichen Charaktere überzeugend und ließ sowohl die dynamische Kraft als auch die feinen Abstufungen der Musik zur Geltung kommen. Dadurch wurde die Orgel eindrucksvoll als eigenständiges Konzertinstrument erlebbar.

 

Ein weiterer Höhepunkt des Orgelprogramms war Jehan Alains „Litanies“.  Alain (1911–1940) war ein französischer Komponist und Organist, dessen nur wenige Jahre umfassendes Schaffen stark von einer eigenständigen, modernen Tonsprache geprägt ist. Seine „Litanies“ aus dem Jahr 1937 gehören zu seinen bekanntesten Orgelwerken. Der Titel nimmt Bezug auf die Form einer Litanei, bei der sich Anrufungen und Antworten wiederholen. Alain überträgt dieses Prinzip in eine äußerst bewegte und spannungsreiche Orgelkomposition. Ein prägnantes musikalisches Motiv kehrt immer wieder und wird dabei weiterentwickelt und gesteigert. So entsteht ein zunehmend intensiver musikalischer Verlauf, der kaum zur Ruhe kommt. Für den Organisten ist das Werk eine besondere technische und musikalische Herausforderung. Schnelle Figuren, rhythmische Prägnanz und die stetige Steigerung verlangen große Virtuosität und Ausdauer. Honnigfort brachte diese Eigenschaften wirkungsvoll zur Geltung und machte die enorme Energie und Dramatik der Komposition unmittelbar erlebbar.

Von Léon Boëllmann (1862–1897), einem französischen Komponisten und Organisten der Spätromantik, erklangen Satzteile aus der bekannten „Suite Gothique“. Das 1895 entstandene Werk gehört zu den bekanntesten Orgelkompositionen Boëllmanns. Die viersätzige Suite verbindet unterschiedliche musikalische Charaktere und zeigt zugleich die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten einer spätromantischen Orgel. Die einzelnen Sätze tragen deutlich unterschiedliche Stimmungen. Auf den feierlich getragenen Charakter der „Introduction – Choral“ folgt mit der „Menuet Gothique“ ein tänzerischer, zugleich von einer leicht geheimnisvollen Atmosphäre geprägter Satz. Die „Prière à Notre-Dame“ bildet einen ruhigen und ausdrucksvollen Mittelpunkt, während die „Toccata“ mit ihren kraftvollen Akkorden und dem bewegten Figurenwerk den virtuosen Abschluss bildet. Gerade diese Gegensätze machen den besonderen Reiz der „Suite Gothique“ aus. Feierliche Klangflächen, ruhige und meditative Passagen sowie virtuose, kraftvolle Abschnitte verlangen vom Organisten eine differenzierte Gestaltung. Honnigfort nutzte die Möglichkeiten der Orgel, um die verschiedenen Charaktere deutlich herauszuarbeiten. Besonders reizvoll war die Programmgestaltung durch den Wechsel zwischen den Orgelwerken und den Chorbeiträgen. Die einzelnen Satzteile der „Suite Gothique“ erklangen jeweils zwischen den Chorstücken des Männerchores. Dadurch entstanden immer wieder neue klangliche Eindrücke und ein abwechslungsreicher musikalischer Dialog. So standen einmal die Männerstimmen im Mittelpunkt, dann wieder die vielfältigen Klangfarben der Orgel. Chor und Orgel ergänzten sich dabei zu einem gemeinsamen Klangbild. Das Konzertmotto „Klangvolle Brücken“ wurde damit unmittelbar musikalisch erlebbar.

Zum Abschluss des Konzertes erklang „Lobt den Herrn der Welt“ von Henry Purcell, basierend auf seiner Komposition „Trumpet Voluntary“. Der Männergesangsverein Concordia trug das Stück gemeinsam mit der von Udo Honnigfort gespielten Orgel vor. Die festliche Wirkung dieses Schlussstücks gab dem Konzert einen passenden Abschluss. Nach dem Verklingen der letzten Töne dankten die rund 150 Konzertbesucher den Mitwirkenden mit großem Applaus.

Mit diesem Konzert fanden die Harener Orgeltage 2026 einen stimmungsvollen Abschluss. Die musikalische Verbindung von Orgel und Männerchor machte das Motto „Klangvolle Brücken“ unmittelbar hörbar und gab der Konzertreihe einen passenden und eindrucksvollen Schlusspunkt.

Harald Steinborn